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Reisen in der Schweiz·Berner Oberland VDie Metropole ohne Prunk und PompDie schweizerische Hauptstadt ist keine jener Metropolen, wie man sie als die hektisch-betriebsamen Schaltstellen der Welt kennt.
Doch eben dies sucht man in der Schweizer Hauptstadt vergeblich. In Bern gibt es auch weder die kühlen Betonpaläste noch die unpersönliche Geschäftigkeit, weder die schwarzen Staatslimousinen mit sirenenheulender Polizeieskorte noch das Verkehrschaos im Zentrum. Ein Bundeshaus hat man dort, gewiß. Es ist mit seinem mächtigen und nicht gerade vorbildlich geglückten neoklassizistischen Kuppelbau weithin sichtbar. Aber im übrigen blieb Bern mit seinen kilometerlangen Laubengängen, mit seinen Türmen und Brunnen, mit den Häusern selbstbewußter wohlhabender Bürger und ohne alle Prunkbauten ein zähringisch-burgundischer Marktort - gutbürgerlich und sehr liebenswert. Während sich die meisten bedeutenden Städte der Welt immer mehr zu gleichen beginnen, bewahrt Bern treu seinen in Jahrhunderten gewachsenen Charakter - auch auf die Gefahr hin, für ein wenig rückständig gehalten zu werden. Bernern macht das nichts aus. Sie haben es nicht eilig. Die übrigen Schweizer vermerken voll Spott: Wenn ein Berner am Samstagabend im Wirtshaus einen Witz hört, lacht er erst am Sonntagmorgen in der Kirche. Das klingt lustig, trifft es aber nicht. Die Berner sind bedächtig, jedoch nicht schwerfällig im Denken. Langsam und gutmütig sind sie, auch konservativ. Mit diesen Eigenschaften haben sie es fertiggebracht, ihre Stadt als Schmuckstück zu erhalten. Goethe, der Bern im Jahre 1779 kennenlernte, schrieb begeistert an Frau von Stein: "Sie ist die schönste, die wir gesehen haben, in bürgerlicher Gleichheit eins wie das andere gebaut ..." Daran hat sich bis heute nichts geändert.
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