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Reisen in Frankreich·Reisegeschichte III

Käse in der Militärfestung

von Annerose Lohberg-Goelz

Herbstnebel liegt über dem friedlichen See von Saint-Point, um den Ferienhäuser, Pensionen und ein paar sehr komfortable Hotels weiträumig verteilt sind. Es ist die ruhige Zeit - man wartet auf die Wintergäste. Noch weiden die Kühe draussen. Wenn erst der Schnee gefallen ist, werden hier Langlaufloipen gespurt und Schneewanderer spazieren über den zugefrorenen See zum anderen Ufer.

Im Käsestadel des Hotels Le Lac werden sich dann am Abend die Skifahrer um den Fondue-Topf scharen, die halben Käselaibe werden vor die heißen Raclettegitter gespannt, bis der Käse als goldgelbe Masse auf die Teller fließt und mit Weißbrotstücken aufgetunkt wird.

Noch ruhen diese riesigen Käselaibe in den Galerien der alten Militärfestung von Saint Antoine - 1100 Meter über dem See. Bei immer gleichbleibenden kühlen Temperaturen reifen sie unter den strengen Augen der Kontrolleure acht bis achtzehn Monate lang tief drin in den Festungskellern vor sich hin. Mehr als 40 000 Käselaibe von je 35 Kilo lagern hier und werden gepäppelt wie Babies. Täglich werden sie gewendet, abgerieben, gebürstet und sorgfältig auf ihr Wohlbefinden hin begutachtet. Jeder Laib ist eine Kostbarkeit, etwa 250 Euro wert. Verkauft ist jedes dieser Wagenräder schon, bevor es überhaupt hergestellt ist. Das besorgen die Käsereien in nahezu jedem Dorf im Tal. Jeder Bauer kennt seine Viehweiden am besten - der Geschmack des ausgereiften Käses variiert je nach Höhenlage der Wiesen und dem, was darauf wächst. Auch im Winter, wenn kein grünes Hälmchen mehr die Schneedecke durchbricht, bekommen die Kühe nur Bestes. Und eine solche Milch von diesen keineswegs lila Kühen gilt als eine der gehaltvollsten in Europa - doch nur die "Sommermilch" wird für die berühmten Käse der oberen Doubs-Region verwendet. So erklärt sich, warum dieser Käse teurer als jeder andere und nicht im Supermarkt zu finden ist, sondern nur in feinsten Delikatessenläden. Im Juni und Juli kann man die "Fromageries Marcel Petit" im Bauch der Festung besichtigen, sich das traditionelle Handwerk erklären lassen und Käse probieren.

Sie verstehen, zu leben, die Menschen der Franche-Comté. Als eine der kleinsten Regionen Frankreichs hat sie die Form eines Achtecks, grenzt an Burgund und Lothringen, an das Elsass und die Schweiz. Auf der Landkarte muss man die vier Departements der Franche-Comté fast mit der Lupe suchen - auch die Bewohner. Nur 68 Menschen wohnen auf einem Quadratkilometer - insgesamt sind es 1,1 Millionen - , und die Hälfte davon in den wenigen größeren Städten wie Dole, Montbéliard und Besancon. Sie fühlen sich geschützt durch die hohen Bergmassive im Norden, die Vogesen, und im Osten durch das Jura-Gebirge. Mit den Elsässern wollen sie nicht viel gemein haben. Sie betonen auch deutlich, dass ihr höchster Berg, der Ballon D`Alsace mit seinen 1247 Metern, nicht im Elsass, sondern bei ihnen in der Franche-Comté liegt.

Arbeitsam, aber gelassen

Ein paar Flüsse haben sie ebenfalls ganz für sich: Saone, Doubs, Ain und Loue - insgesamt 5300 Kilometer Wasserweg. Dann sind da noch die wunderschönen Seen in den Vogesen und im Jura. Kein Wunder, dass man in einer solchen Landschaft keine Hektik kennt - man ist arbeitsam, aber gelassen, nicht übermäßig reich und schon gar nicht schrill - zufriedene Bürger, wohlhabende Kaufleute, selbstbewußte Bauern, die alle wissen, dass sie das, was sie sich hier erarbeitet haben, sehr wohl auch genießen dürfen.

Das war nicht immer so. Die Franche-Comté wurde in früherer Zeit sehr gebeutelt. Eine Zeitlang gehörte sie zum Deutschen Reich, auch zu Spanien und eine Weile zu den Niederlanden. Montbéliard war 1397 sogar ein württembergisches Herzogtum. Sein Schloß kann man besichtigen.

Überall in der Franche-Comté stehen Festungen und Burgen riesigen Ausmaßes, ständig musste man kämpfen und sich verteidigen, der Feind war überall. Das mächtige Herzogtum Burgund wollte sich die Menschen jenseits der Saone untertan machen, aber mit deren ausgeprägtem Sinn für Unabhängigkeit ließ sich das nicht vereinbaren. "Franche" bedeutet "frei". Und nachdem bereits im 13. Jahrhundert landwirtschaft-liche Kooperativen entstanden waren - beispielsweise die Käsereien und die Nutzunggemeinschaften der großen Wälder - hat sich diese Grenzregion nie unterkriegen lassen. Noch im Jahr 1870 hielt die Stadt Belfort hundert Tage gegen eine preussische Besetzung stand - die Einwohner verschanzten sich in den dicken Mauern ihrer mächtigen Festung und verteidigten die Stadt erfolgreich.

Noch immer wacht der große sandsteinrote Löwe über diese Stadt, die im Durchgang vom Elsass nach Burgund liegt. Die mittelalterliche Altstadt ist wunderbar erhalten und restauriert - hier spielt sich auch das heutige Leben ab. An jedem ersten Sonntag im Monat findet auf allen Plätzen und Straßen Ostfrankreichs größter Antiquitätenmarkt statt. Zu Pfingsten 2000 werden 3500 Musiker aller Stilrichtungen aus ganz Europa erwartet, die Konzerte bei freiem Eintritt geben werden. Auch Modernes sieht man in der alten Stadt: im November 1999 wird in Belfort ein neues Museum für moderne Kunst eröffnet.

Belfort ist eine hübsche, heitere Stadt mit vielen alten, aber auch neuen Brunnen und prächtigen Wasserspielen, einem eleganten überdachten Einkaufszentrum und vielen kleinen erstklassigen Restaurants. Die Fassaden der Häuser sind bunt; es gibt ein Gesetz, nach dem sie alle zehn Jahre neu und farbig bemalt werden müssen. So kommt niemals Tristesse auf.

Etwas ausserhalb, in Sochaux, liegt das Peugeot-Museum, in dem man - aufs Beste präsentiert - zahlreiche Oldtimer, aber auch Motorräder und sonst allerlei Technisches sehen kann, für das sich junge und alte Autofreaks interessieren.

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