Die Loire ist ein eigenwilliger Fluß. Sie bringt es fertig, in einem großen Bogen durch fast ganz Frankreich zu fließen. Am schönsten gibt sie sich ziemlich in der Mitte des Landes, zwischen Orléans und Angers.
Diese Landschaft wird von Anglern, von Pärchen und Romantikern sehr geliebt. "Garten Frankreichs" nennt man diesen Landstrich; zuweilen auch "Marktkorb der Nation". Denn in dieser fruchtbaren, klimatisch begünstigten Gegend werden Mengen von Obst und Gemüse gezogen.
Dort hat vor einigen hundert Jahren der Adel Frankreichs seine schönsten Schlösser hingestellt. Wie durch ein Wunder ist die Gegend unversehrt geblieben. Keine Fabrik, keine Hafenanlage stört die Harmonie zwischen der träge dahinfließenden Loire mit ihren vielen Nebenarmen und der urwüchsigen, fast unberührten Landschaft ringsum. Genau genommen war es allerdings gar kein Wunder. Die Loire selbst hat schuld daran. Sie ist zwar breit, aber so seicht, daß sie beim besten Willen nicht schiffbar ist. Die Industrie hat kein Interesse an ihr.
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als drei Dutzend Schlösser stehen hier an der Loire und ihren
Nebenflüssen. Die Franzosen, bekannt großzügig, rechnen
unter die "Schlösser der Loire" auch Bauwerke, die in Seitentälern
bis zu hundert Kilometer vom Hauptstrom entfernt liegen. Man darf sich
also nicht wundern, daß viele Loire-Schlösser - und darunter
die schönsten wie etwa Azay-le-Rideau (an der Indre), Chenonceaux
und St-Aignan (an der Cher) - die Loire nie gesehen haben.
Aber es gibt andere, fast ebenso schöne, die geographisch tatsächlich zur Loire gehören: Villandry etwa, Amboise oder Chaumont. Die beste Methode, einige der Schlösser kennenzulernen, ist, sich durch das eine oder andere Anwesen führen zu lassen und außerdem bei einem örtlichen Reisebüro nach den Son-et-Lumiere-Darbietungen zu fragen. Diese Ton-und-Licht-Spektakel tauchen Türme und Zinnen, Giebel und Galerien in bonbonfarbenes, wechselndes Licht. Dazu tönt über mächtige Lautsprecher lyrische oder dramatische Musik. Die Elite der französischen Schauspieler rezitiert dröhnend vom Tonband Beiträge zur Historie des jeweiligen Objekts. Wenn "Son et Lumiere" auch keine künstlerischen Offenbarungen bietet - amüsant ist es.
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