Das sind Landschaften, wie van Gogh oder Cezanne sie gemalt haben. Sattes, in sich ruhendes südliches Land zwischen dem Mittelmeer, der Rhone und den Alpen.
Aber nicht nur dies. Überraschend wechseln sanfte, milde Hänge
mit markantem Gebirge und schäumenden Flüssen; dann trifft man
wieder auf weite, wie mit dem Lineal abgegrenzte Felder. Es ist ein Gebiet,
das auch nach vier Wochen Urlaub noch Neues und Überraschendes bietet,
eines, das die Franzosen vor Augen haben, wenn sie behaglich Ferien machen
möchten. Entsprechend viele von ihnen (aber auch Fremde) trifft man
dort zur Ferienzeit.
Besonders reizvoll ist die Vegetation, die südlicher erscheint, als es der geographischen Breite entsprechen würde. Das bewirken die schützenden Alpen im Norden und die Öffnung der Provence nach Süden, zum Meer hin. Kein Wunder, daß die Römer diese "Provincia" liebten. Sie hinterließen zum Dank ihr Amphitheater in Arles und ein noch weit besser erhaltenes in Nimes (das zwar nicht so groß wie Roms Kolosseum, aber erheblich hübscher ist).
Außerdem
stammt der mächtige Aquädukt Pont du Gard, der das Wasser nach
Nimes leitete und auf dem man spazierengehen kann, von ihnen sowie - neben
einigen anderen Kleinigkeiten - das in den Felsen gehauene Theater in
Orange, das regelmäßig für Sommerfestspiele benutzt wird
und eine Akustik hat, die manchen Opernhaus-Architekten verlegen machen
dürfte.
Noch mehr Historisches: der Papstpalast in Avignon, im 14. Jahrhundert erbaut - in der Zeit, da die Päpste mit Rom gerade nichts im Sinn hatten. Der Palast, weithin gerühmt, ist aber nur eine zwar ehrwürdige und in ihrer klotzigen Riesenhaftigkeit beeindruckende, aber doch recht häßliche Ruine. Die vier Bogen eines anderen, nicht minder bekannten und weit mehr zerfallenen Bauwerks, der Pont St-Benézét, sind liebenswürdiger. Sie kennen sicher das Liedchen: "Sur le pont d'Avignon..."
Das wird heute immer falsch gesungen. Eigentlich heißt es "Sous
le pont...". Denn bei den alten Volksfesten tanzte man unter den
Bogen der Brücke, nicht oben drüber.
Wer sich für weitere Ruinen interessiert, findet in Les Baux eine komplette, 1632 von Ludwig XIII. in Trümmer gelegte Stadt - ein schauriges, nur noch von einer Handvoll Leute bewohntes Monument menschlicher Zerstörungswut. Westlich von Marseille schließen die Arme des Rhone-Deltas ein höchst exotisches Gebiet ein: die Camargue mit ihren weiten Ebenen, zahllosen Teichen, einsamen Höfen und viel Wild. Hier findet man zwar Seidenreiher, Flamingos, Purpurreiher und andere seltene Tiere und Pflanzen, aber mit voller Absicht sehr wenig Komfort. Dieses Stück Natur soll nicht vom Fremdenverkehr üblicher Prägung ruiniert werden.
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