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Reisen in Spanien·Reisegeschichte II

Andalusischer Wein gehört dazu

Nirgendwo in Europa gab und gibt es ein so günstiges Klima wie in Andalusien. Datteln, Mandeln, Feigen, Orangen gedeihen vorzüglich, das Meer ist voller wunderbarer Fische. Erst in jüngster Zeit hat man in den Paradores, den vornehmen staatlichen Herbergen, begonnen, den alten Rezepten nachzuspüren, sie aufzuzeichnen und mit unseren jetzigen kulinarischen Erkenntnissen zu modernisieren.

Man sollte nicht nur in seinem Hotel essen, sondern in den Seitenstraßen der andalusischen Städte und Dörfer nach kleinen Restaurants Ausschau halten. Oft haben sie nicht einmal eine Speisekarte im Fenster. Vielleicht steht eine schwarze Tafel vor der Tür, die man nicht lesen kann. Das macht jedoch nichts. Man darf den Kellnern vertrauen, sich an der Theke umschauen und bekommt etwas Gutes serviert. Elegant sind diese Lokale meist nicht, aber man findet hier - um die schmucklosen Tische gruppiert - die Einheimischen, die einen Dialekt sprechen, den man auch dann nicht versteht, wenn man in der Volkshochschule etwas Umgangsspanisch gelernt hat.

Wo immer man auch essen mag, andalusischer Wein gehört dazu. Aus dem Anbaugebiet von Jerez kommt der weltbekannte Südwein, aus dem die Engländer sprachlich "Sherry" machten. Auf den kalkhaltigen Böden gedeiht die Palomina-Rebe vorzüglich - die Trauben haben einen intensiven Geschmack und werden seit Jahrhunderten in übereinanderliegenden Eichenfässern gepflegt. Es dauert drei Jahre, bis der Sherry schließlich seinen unverwechselbaren Charakter hat, der sich nie, wie bei unseren Jahrgangsweinen, geschmacklich ändert.

Schnelle weiße Pferde

Der strohfarbene, trockene Sherry heißt hier Fino und wird kühl als Aperitiv getrunken. Man kann in den vielen Bodegas, den riesigen Kellereien der Stadt, an Führungen teilnehmen und zusehen, wie Sherry nach einem traditionellen System gemischt wird. Und natürlich schließt sich immer eine Weinprobe an, kaufen kann man den Sherry vor Ort. Es gibt Flaschen in schönen Behältnissen, die weit über 200 Euro kosten können.

Noch etwas Weltberühmtes kommt aus Jerez: die schnellen weißen graziösen Pferde. Im 15. Jahrhundert bereits züchtete der Karthäuser Mönchsorden diese Rasse, die ebenso hübsch wie zäh und ausdauernd ist. Heute kann man sie bei Vorführungen in der Königlich-Andalusischen Hofreitschule von Jerez bewundern. Die ist im Palast "Recreo de las Cadenas" untergebracht, der in einem Park die ganze Pracht von Renaissance und Barock vereint. Jeden Donnerstag um 12 Uhr findet eine große Gala-Vorführung statt, von März bis Oktober auch dienstags. Der Andrang auf die 1600 Plätze ist groß, eine Anmeldung unbedingt nötig. In den Pausen darf man auch die großzügigen Stallungen besuchen.

Wer nach Andalusien reist, sollte sich zuerst überlegen, was er dort will. Die Ferienflieger der großen Reiseveranstalter wie TUI, die Hapag Lloyd nützt, oder Neckermann, der sich der Condor bedient, fliegen von fast jedem deutschen Flughafen in knapp drei Stunden nach Jerez oder Malaga. Vorher sollte klar sein, ob man sich mehr für das Landesinnere oder für den Trubel am Strand, vielleicht auch für Sport, interessiert. Oder ob man eine reine Kultur- und Städtereise machen will. Die Reiseveranstalter haben viele Vorschläge im Programm und auch zahlreiche Hotels, die meisten am Strand. Es gibt sehr gute Reiseführer über Andalusien (beispielsweise von Merian, Polyglott oder Abenteuer und Reisen), die alle Facetten dieses vielschichtigen Landstrichs beleuchten. An der Costa de la Luz, der Küste des Lichts, kann man fantastisch surfen und abends bei einem Fischmenü romantisch den Sonnenuntergang am Wasser betrachten. An der Costa del Sol, der Sonnenküste, ist es lebhafter und bunter, das Publikum jünger. Hotels aller Kategorien gibt es an der ganzen Küste ungezählte. Die sind sehr hübsch und bieten alle nur denkbaren Sportmöglichkeiten.

Schon wenige Kilometer im Landesinneren aber zeigt Andalusien sein eigentliches Gesicht. Da ragen die kleinen weißen maurischen Dörfer wie fast kitschige Postkartenbilder auf, da ziehen die Esel- und Ochsenkarren über die Landstraßen. Weit draußen glänzt das Meer, auf dem die großen Schiffe kreuzen. Die Gegensätze zwischen blühenden Gärten, fruchtbaren Olivenhainen und kargen, weißgrauen Böden sind oft abrupt. Hinter einer Biegung sitzt ein einsamer Reiter wie erstarrt auf seinem Pferd, einen Stab wie eine Lanze vor sich haltend. Er ist der Wächter einer riesigen Pferde- oder Rinderherde, die einem reichen Gutsbesitzer gehört. Und dann sind da plötzlich kilometerlange weiße, niedrige Büsche entlang der Straße - Baumwollfelder wie im Süden der USA.

Ach, der Sommer ist noch lang, die Ernte hat noch Zeit, wie man sich überhaupt für alles hier Zeit nimmt. Der stürmische Herbst kommt früh genug.

Und die Touristen kommen sowieso im nächsten Jahr wieder - warum soll man sich beeilen! Trinken wir lieber noch einen gelben Fino und schauen wir auf die Schaumkronen im Meer, die heute höher sind als gestern. Denn der kühlende Wind kommt vom Atlantik. Und dann schlafen wir gut.

>> Die Stadt des Sherrys
>> Andalusischer Wein gehört dazu

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