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Reisen in Oberbayern·Im Pfaffenwinkel II

König Ludwigs Märchenschlösser

Die Bayern waren nicht begeistert, dass ihr Märchenkönig, Ludwig II., so viel Geld für seine Schlösser ausgab. Heute sind sie es: Die Kuriositäten bringen als weltweite Attraktion viel mehr Geld in die Staatskasse.

Eine Märchenfigur war der 1845 geborene Ludwig durchaus, ein guter König nie. Vielleicht, weil er dieses Amt mit 18 Jahren zu unvorbereitet antreten musste. Schon mit 30 Jahren liess er sich öffentlich nicht mehr sehen und verbrachte seine Zeit nur noch mit der Vergötterung von Richard Wagner und dem Bau sündteurer Schlösser: Neuschwanstein, Linderhof, Herrenchiemsee. Immerhin ging er so als größter Bauherr seiner Zeit in die bayerische Geschichte ein. Sein Schloss Neuschwanstein ist weltberühmt; es gilt erstaunlicherweise bei vielen Amerikanern und Japanern, die es in Scharen besuchen, als "typisch deutsch".

Ludwigs größtes, prunkvollstes Schloss, das Versailles übertreffen sollte, steht auf der Herreninsel im Chiemsee. Es wurde nie fertig. Auf Schloss Linderhof dagegen, westlich von Oberammergau, hat der König tatsächlich gelebt. Und geträumt. Denn er war ein Träumer, sein Leben lang. Das zeigt auch sein Jagdschloss Schachen, mit dem er Maurisch-Orientalisches in Bayerns Bergwelt brachte.

Man hat ihn entmündigt und abgesetzt. Stilgerecht geheimnisoll ertrank er mit 41 Jahren im Starnberger See.

Sein allererstes großes Schloss baute er nicht selbst. Er konnte auch nichts damit anfangen. Es stand am Alpenrand bei Füssen und war einst die Burg der Ritter von Schwangau. Doch die starben im 16. Jahrhundert aus und die Burg zerfiel. Bayerns Kronprinz Maximilian (der spätere König Maximilian II.) kaufte die schön gelegene Ruine und liess sich dort von 1832 bis 1836 ein mittelalterlich gedachtes Schloss als Sommersitz bauen. Sein Architekt, der Theatermaler Domenico Quaglio, entwarf ein würfelförmiges Hauptgebäude mit vier zinnenbewehrten Ecktürmen.

Im Innern steigert sich die Verherrlichung des Rittertums. In kräftig bunten Farben schildern große Wandmalereien Szenen aus deutschen Sagen und mittelalterlicher Geschichte. Viele entstanden nach Entwürfen des romantischen Malers Moritz von Schwind, der auch die Wandbilder im Heldensaal nach Themen aus dem Sagenkreis um Dietrich von Bern entwarf.

Im Hohenstaufenzimmer steht ein Tafelklavier aus hellem Ahorn. Auf diesem spielte Richard Wagner dem König Ludwig II. vor. Die beiden Herren hatten gemeinsam, dass sie erstens Richard Wagner liebten und zweitens Schloss Hohenschwangau nicht ausstehen konnten.

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