Wenn jemand fragt, ob man Südtirol wirklich so bilderbuchhaft sehen kann, wie es oft dargestellt wird: In der Tat.
Johannes Helfer, Eishof 2009, CC BY-SA 3.0 DE
Es gibt kein Bilderbuchmotiv aus der Bergwelt, das nicht in Südtirol zu finden wäre: die steilen Felsen und die grünen Matten, Gamsbock und Enzian, buntblühende Hochalmen und sattblauer Himmel, Bergseen und Wasserfälle, trutzige Burgen und einsame Schlösser, holzgebaute Höfe und schlicht-behagliche Gasthäuser, Nüsse und Wein, Wurst und Speck, Andreas Hofer und Reinhold Messner. Der bekannteste Südtiroler, Luis Trenker, starb am Karfreitag 1990. Er wurde 98 Jahre alt.
Anderswo wäre soviel des Guten sicherlich eine monströse Schau zwischen Klamm und Kitsch. In Südtirol ist es schön und originell. Man hat buchstäblich alles zur Wahl, was einem beim Thema "Berge" nur einfallen kann. Und noch einiges mehr. Zum Beispiel das Klimawunder: Da betätigt sich die Natur (vor allem in und bei Meran) als Zauberin und gaukelt südliche Gefilde vor, indem sie zwischen Wein- und Obstplantagen auch Mandel-, Maulbeer- und Kastanienhaine gedeihen lässt. Noch etwas Erstaunliches: nirgendwo in Europa gibt es Burgen und Schlösser in solch großer Zahl so dicht beisammen.
Die eigenartige Situation, dass es drei Gebiete mit dem Namen "Tirol" gibt - Tirol, Südtirol, Osttirol - wirft allerdings oft die Frage auf: Wie hängt das zusammen?
Tirol (Hauptstadt Innbruck) und Osttirol (Hauptstadt Lienz) sind österreichisch, Südtirol (Hauptstadt Bozen), das zwischen den beiden anderen liegt, ist italienisch. Einst gehörten alle drei zusammen, Tirol war habsburgisch bis 1806. Dann musste Kaiser Franz das Gebiet an Bayern abtreten. Dies verdross die Tiroler sehr. Sie erhoben sich unter Andreas Hofers Führung, waren zunächst auch erfolgreich, verloren dann aber gegen Napoleon. Tirol wurde aufgeteilt. Das nördliche fiel an Bayern, Südtirol und das Trentino gingen an das napoleonische Königreich Italien.
Durch Ihren Drang nach Eigenständigkeit waren die Tiroler immer ein Problem, auch für Italien. Deshalb wurde 1946 dem Land Südtirol eine autonome Verwaltung zugesichert. Sitz der Verwaltung ist Bozen, die Amtssprachen sind deutsch und italienisch.
Die Hauptstadt der Provinz vereinigt auf liebenswerte Art Geschäftigkeit mit Charme. Hinzu kommt die malerische Lage im Talbecken des Eisacks und die prächtige, wenn auch nur bei klarer Luft sichtbare Kulisse der Dolomiten. Kurz: Bozen ist schön.
Die Laubengasse ist die bekannteste der reizvoll-altertümlichen Bozener Straßen. Zu den schönsten Arkadenhäusern gehört das barocke Merkantilgebäude, das bis zur nächsten Parallelstraße, der Silbergasse, reicht. Die kostbar ausgestatteten Räume, in denen einst der Kaufmanns-Magistrat tagte, haben ihren Zweck beibehalten: in ihnen ist die Handelskammer zuhause. Am westlichen Ende der Laubengasse finden Sie den pittoresken Obstmarkt.
Der Waltherplatz ist das Herzstück der Stadt. Den Namen hat er von Minnesänger Walther von der Vogelweide, der als Marmordenkmal die Platzmitte ziert. Dass sich darunter eine riesige Tiefgarage verbirgt, merkt man nicht. Restaurants und Cafés haben Tische herausgestellt; man sitzt im Freien und lässt sich's wohl sein.
Das ist Südtirols älteste Stadt. Sie entstand aus dem Meierhof "Prichsna", der 901 dem Bischof von Säben geschenkt wurde. Fast 900 Jahre lang war Brixen der Sitz regierender Fürstbischöfe.
Weil der Stadt nach dem großen Brand von 1444 nichts mehr geschah, begegnet man auf Schritt und Tritt den Werken alter Meister aus sämtlichen Stilepochen - am über achthundertjährigen, allerdings stark barockisierten Dom (dessen romanischer Kreuzgang schöne gotischen Gewölbemalereien zeigt) ebenso wie in der Fürstbischöflichen Hofburg (mit ihrem dreistöckigen Arkadenhof) oder an den lauben- und erkergeschmückten Patrizierhäusern aus dem 16. und 17. Jahrhundert.
Im Diözesan-Museum der Hofburg sind neben Kirchen-und Volkskunst über vierhundert alte Krippen ausgestellt. Eine hat mehr als 5000 Figuren.
Hier ist viel Mittelalterliches zu sehen: Tortürme, Reste der Stadtmauer, gotische Spitzbögen, Ziergiebel an malerischen Bürgerhäusern, Laubengänge, mit 400 Jahre altem Zirbenholz getäfelte Gaststuben und eine hochgelegene bischöfliche Stadtburg aus dem 13. bis 16. Jahrhundert. Michael Pacher, der berühmte Bildschnitzer des 15. Jahrhunderts, wurde 1435 in Nr. 29 der malerischen Stadtgasse geboren. Man findet viele Erinnerungsstücke von ihm, darunter ein lebensgroßes Kruzifix in der Pfarrkirche.
Im Ortsteil Dietenheim sehen Sie noch viele spätmittelalterliche Fassaden. Auf einer schönen Wiese breitet sich das Südtiroler Landesmuseum für Volkskunde aus - mit jahrhundertealten Bauernhäusern und Werkstätten.
Drei Kilometer südlich liegt Reischach. Von dort führt eine Seilbahn in zwölf Minuten zum 2272 Meter hohen Kronplatz hinauf. Auf dessen flachem Gipfel beginnen viele Spazier- und Wanderwege mit prächtiger Aussicht.
Eine liebenswürdige Kurstadt zwischen Obsthängen und Rebgärten: das ist Meran. In den alten Gassen, den berühmten Lauben und den gemütlichen Weinlokalen trifft sich ein vorwiegend älteres Publikum. Der Reiz dieses Heilbades besteht neben der bezaubernden Umgebung im außerordentlich günstigen Klima, das für üppige Flora, vorzüglichen Wein und gute Laune sorgt.
Im neunzehnten Jahrhundert war Meran der Treffpunkt gekrönter Häupter. Es gehörte einfach zum guten Ton, dort regelmäßig eine Kur zu machen. Heute legt man in Meran mehr Wert auf Romantik und Beschaulichkeit als aufs Vornehm-Kosmopolitische. Auf den Höhen ringsum wurden hübsche Spazierwege angelegt; man wirbt mit rotem Wein auf hölzernen Tischen, mit lauschigen Laubengängen und Trachtenkapellen. Aber auch mit Trauben- und Molkenkuren.
Die alte Fuggerstadt zeigt deutsches Mittelalter aus der Zeit der Spätgotik. Im späten Mittelalter war es eine wohlhabende Bergwerks- und Handelsstadt, die von den Augsburger Fuggern gefördert wurde. In den Silber-, Kupfer-, Zink- und Bleigruben der benachbarten Täler arbeiteten über tausend Knappen.
Als Mitte des 15. Jahrhunderts ein großer Teil der Stadt abbrannte, waren die Sterzinger nicht besonders traurig, sondern bauten flugs in spätgotischem Stil wieder auf. Seitdem präsentiert sich Sterzings Kern als langgezogene Straße. Nördlich des Stadtturms stammt sie aus der Epoche vor 1443 und heißt Altstadt, südlich davon ist sie zwar kaum jünger, wurde aber konsequenterweise Neustadt getauft.
Die Neustadt ist heute Fußgängerzone. Unter den Lauben der schmalen hohen Giebelhäuser mit den lustigen Erkern herrscht an Sommertagen dichtes Gedränge. Hier erhebt sich das Rathaus mit der hübsch gegliederten Fassade aus Spätgotik und Renaissance. Dahinter öffnet sich ein schöner, stiller Lichthof, in dem zwei römische Reliefsteine aufbewahrt werden.
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