Mit seinen nahezu 2000 km Küste ist Sardinien eine Traumgegend für einen Urlaub - am, im oder auf dem Wasser. Für 49 Prozent der Gäste ist dies auch der Grund, warum sie ihren Urlaub hier verbringen.
Der berühmteste Küstenstreifen ist die Costa Smeralda, die ihren Namen der charakteristischen smaragdgrünen Farbe des Meeres verdankt. Das warme und klare Wasser umspült eine vielgestaltige Küstenlandschaft, die mit verträumten Buchten, Felsschluchten, glattgewaschenen Felsen und goldenen Sandstränden fasziniert.
Naturliebhabern garantiert die Insel großartige Erlebnisse. Das sardische Inland mit seiner für den Mittelmeerraum charakteristischen Vegetation ist sehr bergig. Das Gesicht der Insel wird durch Granitfelsen geprägt, denen der Wind im Lauf der Zeit eigenwillige Formen verliehen hat. Mit einer Höhe von 1834 m ist der Gennargentu das eindrucksvollste Massiv. Nicht nur landschaftlich, auch klimatisch wurde die Insel von der Natur wohlwollend bedacht. Der Sommer dauert sieben Monate. Auch außerhalb der Hochsaison umgibt den Urlauber ein Klima, das dem Sommer vieler anderer Gegenden entspricht.
Sardinien hat Einflüsse, die von außen kamen, nur zögernd aufgenommen. Dennoch ist es keine kulturlose Insel. Allein die Nuraghen, die vor rund drei Jahrtausenden erbaut wurden, sind ein archäologischer Reichtum ohnegleichen. Kostbare Sammlungen in sardischen Museen zeugen von Glanz und Blüte vergangener Zeiten.
Helga Steinreich, Nuraghe-albucciu-2, CC BY-SA 3.0
Sardinien zählt mehr als 100 romanische Kirchen. Die Kathedralen im phantasievollen Stil katalanischer Gotik sind beliebte Ziele für Besichtigungen. Ein Erlebnis sind die zahlreichen Volksfeste, wie man sie in solch prachtvoller Authentizität in kaum einem anderen europäischen Land erleben kann.
Mit dem Auto kommt man zu den Fährhäfen für Sardinien: Genua, Livorno und Civitavecchia. Zugverbindungen gibt es von allen wichtigen deutschen Bahnhöfen. Die sardischen Flughäfen in Cagliari und Olbia werden den Sommer über von Düsseldorf, München und Frankfurt direkt angeflogen. Umsteige-Verbindungen bestehen das ganze Jahr über in Mailand und Rom.
Heute ist es - mit seinem fünf Kilometer langen Sandstrand - ein beliebtes Seebad. Aber im 12. Jahrhundert war Alghero ein von den Genuesern befestigter Hafen, der strategisch so wichtig war, dass ihn im 14. Jahrhundert die Spanier besetzten. Sie prägten die hübsche Altstadt nach ihrem Stil. Noch heute nennt man den Stadtkern »Barcelonettac, das kleine Barcelona. Besonders imposant ist die Stadtmauer mit ihren mächtigen Bastionen. Und der Dialekt in Alghero ist seit jener Zeit das Katalan, das die Spanier mitbrachten; es wird gegenwärtig noch in der Gegend von Barcelona und auf Mallorca gesprochen.
In der Bucht von Alghero taucht man nach Korallen. Liebhaber von Korallenschmuck können hier schöne Stücke kaufen.
Nördlich liegt der kilometerlange Lido di San Giovanni: einer von Sardiniens schönsten Stränden.
Sardiniens Hauptstadt ist 3000 Jahre alt, älter als Rom. Sie ist eine phönizische Gründung, die später von den Karthagern und dann von den Römern übernommen wurde. Schon bei den Karthagern war Cagliari eine wichtige Hafenstadt. Aber die ältesten Bauwerke, die - zumindest teilweise - noch stehen, stammen von den Römern. Die errichteten, fleißig wie stets, Aquädukte und Tempel, Theater und Thermen. Sie kümmerten sich um den Ausbau des Hafens und des Straßennetzes.
Nach ihnen kamen die Byzanter und dann, im 12. Jahrhundert, die Pisaner. Sie bauten auf dem Burgberg die Festung Casteddu, eine Kathedrale und mehrere Kirchen; sie machten Cagliari zum Bischofssitz.
1326 erschienen die Aragonesen; Cagliari wurde vorübergehend spanisch. Das merkt man noch heute an der Architektur jener Bauperiode.
Heute ist Cagliari eine weit ausgedehnte Stadt - schön gelegen und mit einer hübschen, gefälligen Altstadt, dem »Castello«, der noch heute von Wehrmauern umgeben ist.
Karim Aga Khan, das Oberhaupt der Ismaeliten und nicht ganz unbemittelt, suchte vor Jahren an der Küste Sardiniens nach neuen Tauchgründen. Im Nordosten fand er eine Landschaft von solch unverdorbener Schönheit, dass er sie schnell kaufte, bevor es ein anderer tat. Nicht, um selbst dort zu baden, sondern um ein luxuriöses Ferienzentrum zu bauen.
Der ganze 55 Kilometer lange Küstenstreifen sollte ein Urlaubsdomizil für finanzkräftige Individualisten werden, das an Schönheit und Exklusivität alles übertraf, was bis dahin in der Fremdenverkehrsbranche bekannt war. Erstaunlicherweise gelang das perfekt. Phantasievolle Architekten entwarfen Hotels. Bungalows, ja ganze Ortschaften - musterhaft in lokalem Baustil, ganz der Landschaft angepasst.
Bausünden, wie sie an anderen Gestaden des Mittelmeers inzwischen selbstverständlich sind, gibt es an der Costa Smeralda nicht. In Porto Cervo, dem Zentrum der Küste, entstanden ein vorzüglich ausgestatteter Yachthafen im rustikalen Fischer-Look und ein Hoteldorf, das heute als Vorbild für alle stilvollen Feriensiedlungen gilt.
Von den Inseln rings um Sardinien ist Maddalena die interessanteste. Zusammen mit ihren sechs Nachbarinselchen war sie bis zum 19. Jahrhundert ein Zufluchtsort für Piraten, Banditen und Gejagte.
Heute ist sie vor allem bei Fischern und Tauchern beliebt. Von Palau aus kommt man in einer Viertelstunde mit dem Schiff hinüber.
Über einen 600 Meter langen Damm können Sie von Maddalena zur Nachbarinsel Caprera spazieren. Sie zeichnet sich nur dadurch aus, dass hier im 19. Jahrhundert der italienische Freiheitskämpfer Giuseppe Garibaldi lebte und starb. Er ist noch heute Italiens Nationalheld; sein (eigenhändig gebautes) Haus ist ein Museum.
Die schön gelegene Stadt ist 30000 Einwohner groß und entstand - bis auf einen kleinen Kern - erst im 19. und 20. Jahrhundert. Doch ausgerechnet hier werden Landestracht und Bräuche besonders gepflegt. An Sonn- und Feiertagen kann man, weit häufiger als anderswo, noch die kostbaren und kleidsamen Frauengewänder sehen, für die Sardinien berühmt ist. Auf dem Hügel Sant'Onofrio in einer schönen Parkanlage steht ein sehenswertes Volkskunde-Museum mit Trachten, Möbeln und Hausrat.
Das ist eine der ältesten Städte und der wichtigste Hafen Sardiniens. Vor dem von steilen Klippen umgebenen natürlichen Hafenbecken liegen die beiden Felsinseln Molara (auf der es wilde Ziegen gibt) und Tavolara.
Aus römischer Zeit stammen die Totenstadt am Nordrand und die Ruine eines Aquädukts im Westen der Stadt. Auch in der romanisch-pisanischen Basilika (einem der ältesten Gotteshäuser der Insel) gibt es römische Säulen, Sarkophage, Meilensteine und Inschriften.
Hier gibt es ein bißchen Mittelalter (Reste der Befestigungsanlagen, ein bißchen Barock (schöne Hausfassaden) und ein bißchen Volkstümliches: einen farbenfrohen vormittäglichen Obst- und Gemüsemarkt auf der Piazza Roma. In der von dort abzweigenden Via Figoli werden typisch sardinische Keramiken hergestellt und verkauft.
Die betriebsame Hafenstadt wurde von den Karthagern gegründet. Zur Römerzeit war sie die Hauptstadt der nördlichen Inselhälfte. Aus jener Zeit sind einige Bauwerke mehr oder weniger erhalten geblieben: sieben Bogen einer einst längeren Brücke, zwei Thermen sowie einige Säulen und Mauerreste eines Bauwerkes, über dessen Zweck die Gelehrten noch streiten. Die einen sagen, es sei ein Fortuna-Tempel gewesen. Die anderen halten es nur für den Palast eines römischen Offiziers.
Weit interessanter ist San Gavino, die größte und eine der ältesten mittelalterlichen Kirchen Sardiniens. Sie stammt aus dem 11. Jahrhundert. Sie ist dreischiffig, enthält wertvolle römische Säulenkapitelle und Sarkophage.
Sardiniens zweitgrößte Stadt liegt 225 Meter hoch auf einer Kalksteinfläche - eine moderne Oberstadt und eine verwinkelte Altstadt. Die alten Viertel haben im 19. Jahrhundert leider sehr gelitten. Da riß man im Überschwang moderner Ideen den mittelalterlichen Mauerring ebenso nieder wie das alte Kastell, um das sich die Stadt gruppierte.
Doch einiges blieb. Zum Beispiel die frühgotische Kathedrale San Nicola mit ihrer Barockfassade im spanischen Kolonialstil. Dann das im 18. Jahrhundert als Herzogspalast erbaute Rathaus (heute mit einer Sammlung von Kostümen und Trachtenpuppen) sowie die Kirche Santa Maria di Betlem mit ihrem gotischen Taufbecken im Kreuzgang, einer romanischen Fassade und barocken Schnitzaltären.
Im Museo Sanna finden Sie prähistorische Vasen und Urnen (die aus den vielen Nuragen der Insel zusammengetragen wurden), aber auch Möbel, Schmuck, Handwerkliches und Trachten aus späterer Zeit.
Schließlich muss man die Universität erwähnen. Seit ihrer Gründung im Jahr 1588 (sie ist eine der ältesten in Europa) ist sie in einem Jesuitenkloster aus dem 16. Jahrhundert zu Hause. Die Padres leiteten die Hochschule zwei Jahrhunderte lang. In der 100 000 Bände umfassenden Bibliothek findet man kostbare und seltene Handschriften.
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