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Reisen in Italien·LigurienItalien - Ligurien

Einst mondän, jetzt modern: Die Riviera

Die italienische Uferpartie links und rechts der Stadt Genua heißt schlicht "La Riviera" - zu deutsch: "die Küste". Westlich von Genua ist es die "Riviera di Ponente", östlich die "Riviera di Levante". Die Riviera di Levante ist landschaftlich imponierend, schroff und gegen das Binnenland abgeschlossen. Bei der Riviera di Ponente tritt das Gebirge zurück; es lässt Platz für größere Städte und Autostraßen lässt.

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aloaPortofino-vista01CC BY 2.0

Diese Riviera di Ponente war einst "die" Riviera - die berühmte Winterresidenz unserer Groß- und Urgroßeltern (sofern sie das Geld dafür hatten). Schon zu Anfang des letzten Jahrhunderts kamen die ersten Prominenten hierher. Sie widmeten der schönen und klimatisch sehr begünstigten Küste glühende Zeilen in ihren Reisetagebüchern. Ihnen ist es zu verdanken, dass die Riviera in Mode kam. Es sprach sich herum, dass hier die ganze feine Welt im Winter Urlaub mache. Weil eben in dieser Gegend die Winter besonders mild seien.

Aus Griebens Reiseführer von 1906 erfährt man, dass die Saison an der Riviera Anfang November beginne und im Mai ende, wonach alle guten Hotels und Restaurants geschlossen seien. Das gehobene Publikum war zu jener Zeit weder am Schwimmen noch am Sonnenbaden interessiert. Blässe galt als vornehm.

Die Zeit ist vorbei. Längst sind Topfpflanzen, Plüsch und die pompösen Paläste der Jahrhundertwende modernen Appartementhotels und Bungalowsiedlungen gewichen.

Eines jedoch blieb aus jener Zeit: Der westlichste Teil der Riviera di Ponente - etwa zwischen San Remo und Alassio - behielt einen besonderen Namen: "Riviera di Fiori", die Blumenküste. In dieser geschützten Lage entfalten sich Mimosen, Nelken, Magnolien und andere Pflanzen in subtropischer Üppigkeit. Auch Palmen, Agaven, Eukalyptus und Oliven gedeihen bei Temperaturen, die fast nie den Gefrierpunkt erreichen.

Was außerdem gedeiht, sind viele Kräuter (aus denen man unter anderem Il Pesto herstellt, eine cremig-dicke scharfe Soße). Und ein wunderschöner Wein, der Rossese von der Riviera di Fiori.

Camogli

Der kleine Hafen des Fischerstädtchens mitsamt der dichtgedrängten, vielstöckigen Häuserfront, den vielen Booten und der verwitterten Mole ist reines 17. Jahrhundert. Als ehemals berühmter Segelschiffhafen und noch heute wohlbekannte Ausbildungsstätte für Seekadetten besitzt Camogli ein interessantes Marine-Museum.

Genua

Heinrich Heine war beeindruckt - aber nicht positiv.

Er fand Genua "hässlich über alle Massen": das gebleichte Skelett eines Riesentieres, in dem dunkle Ameisen herumkriechen.

Das ist Geschmackssache. Es gibt viele Menschen die Genau lebendig, dynamisch, sympathisch finden. Natürlich, Genua hat - weit mehr als zu Heines Zeiten - ausgedehnte Industrieviertel, auch die schier endlosen Komplexe von Docks, Quais und Kranen in der Hafengegend. So ist das nun mal in einer Hafenstadt.

Andererseits hat Genua, vor allem in seinen alten Teilen, sehr viel Schönes herzuzeigen: prächtige Palaste, weite und imponierende Plätze, breite Straßen. Und ein altes Hafenviertel von so]ch pittoreskem Channe. dass jemand, der nur kurz in Genua ist, am besten ledig]ich durch diese Gässhen, die Carugi, bummelt. Schlichte Kneipen und raffinierte Feinschmeckerlokale. Schmuckgeschäfte und Pizzerien, obskure Läden und schicke Boutiquen, handtuchschmale Durchgänge und winzige Plätze. Ein Gedrängel und Geschiebe, dass einem Angst werden kann. Tagsüber besteht zur Angst aber kein Grund.

Es ist faszinierend!

Aber auch der Hafen ist es, einer der interessantesten der Welt. Hier gibt ss Handelsschiffe, Kriegsschiffe. Luxusliner, Werften und viel Lärm. Eine Hafenrundfahrt empfiehlt sich. Bei ihr erlebt man die drei Hafen. die nebeneinanderliegen, am intensivsten: den Haupthafen Porto Vecchio (das heißt "alter Hafen"; er stammt schon aus dem Jahre 1250), den Porto Novo (den neuen Hafen, doch auch der ist bereits hundert Jahre alt) und den Kriegshafen.

Imperia

Hier finden Sie zwei kuriose Museen. Das eine ist das Spaghetti-Museum im Stadtteil Oneglia. Dort gibt es allerlei alte Geräte zur Herstellung von Teigwaren. Zum anderen hat in Oneglia aber auch der Clown Grock die letzten Jahre seines Lebens zugebracht. Seine Villa kann man besichtigen; sie enthält viele Erinnerungen an den großen Komiker.

La Spezia

Schon die Römer erkannten die Vorzüge dieses geschützten Hafens. Napoleon auch; er wollte La Spezia zu einer gewichtigen Militärbasis ausbauen. Sein Sturz kam dazwischen. Erst das Königreich Italien führte den Plan schliesslich aus und erreichte so eine erstaunliche Kombination: Kriegshafen mit Heldendenkmälern plus Palmenpromenaden und landschaftlicher Idylle.

Zwei Museen in La Spezia sind interessant. Das "Museo Civico" zeigt originelle Funde aus jener römischen Hafenzeit. Und im "Museo Navale" können Sie die Entwicklung der Schiffahrt verfolgen. Besonders stolz ist man auf die antiken Gallionsfiguren, auf alte Seekarten und viele Schiffsmodelle.

Lerici

Ein Hafenstädtchen ist das. Im Mittelalter war es recht bedeutend, heute ist es vor allem romantisch. Es hat eine Burg, einen romanischen Glockenturm. Und sehr hübsche Fischerdörfer in der Nachbarschaft, wenige Kilometer entfernt.

Levanto

Die 15 Kilometer lange Nebenstraße, auf der man Levanto erreicht, ist schmal, steil und kurvenreich. Aber sie bietet viele wunderschöne Ausblicke. Der Dom, die Burg und die guterhaltene Zinnenmauer geben dem Städtchen ein mittelalterliches Gesicht. Diese Bauten stammen aus dem 12. und 13. Jahrhundert, als Levanto eine Stadtrepublik und die Hauptstadt der Levante war. Der Name zeigt das heute noch.

Portofino

Unter den Römern hiess es "Portus Delphini". Das zielte auf die seeräuberischen Aktivitäten der Einwohner, die blitzschnell wie die Delphine angriffen. Die Römer bauten ein Kastell, um die Räuber unter Kontrolle zu halten.

Die Festung zerfiel. Ums Jahr 1000 wurde sie wieder aufgebaut, um die Piraterie endlich zu unterbinden. Und seitdem ist Portofino ein (bis auf die zeitweilig etwas mächtigen Touristenmassen) friedlicher Fischerhafen - und einer der fotogensten der gesamten Riviera. In der idyllischen Bucht liegen Traumschiffe und teure Segeljachten neben schlichten Fischerbooten. Maler, Dichter und andere Romantiker waren von jeher von der Schönheit dieses Fleckchens Erde fasziniert.

San Remo

Dieser älteste und größte Winterkurort der Riviera liegt in einer weiten Bucht, die durch einen Kranz von Bergen vor kalten Nordwinden geschützt ist. Daher rührt San Remos berühmtes Heilklima, das den gesamten Adel Europas hierherbrachte. Und der Adel wiederum sorgte für den vornehmen Ruf, von dem die Stadt noch heute zehrt.

Die an den Hang angelehnte Altstadt ist ein phantastischer Knäuel aus engen Gassen, Treppen, Häusern und Mauerbögen. Der Dom aus dem 12. Jahrhundert, der im 17. Jahrhundert barock umgebaut wurde, beherbergt eine berühmte Kreuzigungsschnitzerei sowie ein großes Tafelbild von 1548.

Das Casino Municipale mit den Spielsälen finden Sie im neuen Teil der Stadt, wo auch das umfangreiche Unterhaltungsprogramm für Touristen abrollt:

Autorennen, Musikfestivals, Blumenkorso und vieles andere. Ausserdem wird dort von Oktober bis Juni an jedem Werktagmorgen zwischen sechs und neun ein weltberühmter Blumenmarkt abgehalten.

Savona

Die Hafen- und Industriestadt hat einen erstaunlich ansehnlichen Altstadtkern. Prächtige Palazzi und der elegante Dom erzählen von einer glanzvollen Vergangenheit. Im prunkvollen Inneren der Kirche stehen eine Kreuzigungsszene aus Marmor (15. Jahrhundert) und ein romanisches Taufbecken. Leider hat man versucht, die schöne Fassade des Renaissance-Doms im 19. Jahrhundert noch schöner zu machen.

Das ging daneben.

Sestri Levante

Ein Teil des Ortes liegt auf einer Landzunge, die weit ins Meer ragt. Dadurch gibt es hier zwei Buchten - eine links, eine rechts. Die eine hat Sandstrand und liegt direkt am Stadtpark. Märchenerzähler Hans Christian Andersen nannte sie "Die Märchenbucht". Hier spielt sich der Urlaubsbetrieb ab. die andere heißt "Bucht des Schweigens". Auch sie ist inzwischen recht laut.

Ventimiglia

Die Römer haben es gegründet. Sie schrieben es XXMIGLIA. Der Roja-Fluss trennt die mauerumgebene Altstadt mit ihren steilen Gassen und Treppen, ihren alten Häusern und Arkaden vom modernen Stadtteil mit den Geschäften, Parks und Alleen. Auf der Via Roma findet regelmässig der "Mercato dei Flori" statt, der Blumenmarkt, der an Bedeutung sogar den von Nizza übertrifft.

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