Diese Region - sie richtet sich natürlich in allererster Linie nach Rom: Italiens Hauptstadt, die Metropole der katholischen Christenheit, voller architektonischer, geschichtlicher und künstlerischer Schätze.
Etnoy (Jonathan Fors), 20090414-Cività-di-Bagnoregio, CC BY-SA 3.0
Deshalb kommt Roms Umgebung - diese Region Latium - bei den Reisenden meist zu kurz. Immerhin lebt ja auch die Hälfte der Bewohner von ganz Latium in der Hauptstadt Rom.
Doch Latium ist eine vornehme und besuchenswerte Gegend, die in der antiken römischen Geschichte eine große Rolle spielte. Hier liegen, südöstlich der Hauptstadt, die "Castelli Romani". Das ist der Name einer sehr hübschen Landschaft, die teils zur Römischen Campagna, teil zu den ehemals vulkanischen Albaner Bergen gehört. Diese "Castelli Romani" gab es (und gibt es) aber auch wirklich: "Römische Schlösser". Es waren die Landsitze römischer Adeliger. Ein Dutzend davon steht noch - südlich und südwestlich von Frascati.
An der Küste von Latium liegen viele Seebäder. Und es ist erstaunlich, dass die Orte dort von der Atmosphäre des sehr nahen Rom überhaupt nicht beeinflusst wird. Im Norden der Küste geht es toskanisch zu, im Süden meint man, schon Kampanien zu spüren. Sechs Buchten öffnen sich aufs Meer, jede hat ihre eigene Historie.
Hier gibt es einiges Alte zu sehen: einen romanisch-gotischen Dom mit schöner Krypta aus dem 12. Jahrhundert, den Bischofspalast aus dem 13. Jahrhundert und ein barockes Rathaus mit dem Stadtmuseum, das unter anderem einen schönen Flügelaltar aus dem 14. Jahrhundert enthält. Die Reste der turmbestückten Stadtmauer an der Nordseite der Stadt stammen aus dem 13. Jahrhundert. Und die Brücke über den Velino haben schon die Römer gebaut.
In der Schule lernt man, Rom sei auf sieben Hügeln erbaut. Das stimmt. Die Hügel gibt es heute noch, aber sie fallen kaum auf: zweitausendjähriger Bauschutt hat das Auf und Ab ausgeglichen.
Historiker teilen die Geschichte Roms ordentlich, wenn auch unlogisch, in vier Teile; Prima Roma bis Quarta Roma - erstes bis viertes Rom. Das erste Rom ist die antike Stadt, östlich des Tiber. Erstaunlich viel von ihr ist erhalten geblieben, wieder ausgegraben worden, teilweise behutsam renoviert; ein ganzer Stadtteil, etwa 700 mal 700 Meter groß - darunter das Kolosseum und das Forum, Roms vielseitigste Trümmersammlung.
Das zweite Rom reicht vom Mittelalter bis weit in die Neuzeit hinein. Da wurde - westlich des Tiber - der Kirchenstaat gegründet. Man baute die Heilige Stadt, den Petersplatz und die Peterskirche mit ihren überwältigenden Ausmaßen.
Aber auch auf der anderen Seite des Tiber wurde fleißig gebaut, in Renaissance und vor allem in dem damals neu erfundenen Barock: Adelspaläste, Kirchen und Brunnen. So entstanden im 18. Jahrhundert die "Fontana di Trevi" - Roms gewaltigster Barockbrunnen, ein amphitheatralisch angelegtes Becken im Swimmingpool-Format - sowie die "Spanische Treppe".
Aus der Zeit des ersten und zweiten Rom stammen alle die Sehenswürdigkeiten, die die Ewige Stadt zum größten Touristenmagnet der Welt gemacht haben. Jährlich kommen 30 Millionen Besucher. Die meisten von ihnen interessieren sich für den Vatikan. Weiter als bis zum Petersplatz und in die Peterskirche kommen sie selten. Doch ist die Peterskirche allein schon anstrengend genug. Zwar ist sie nicht ganz so groß wie der Mailänder Hauptbahnhof, aber der Betrieb ist größer und auch lärmender.
Kenner meinen allerdings, dass es - mehr als alle Bauten und Kunstwerke - die kleinen, stillen Plätze mit ihren Brunnen seien, die Roms Reiz ausmachen. Allerdings muss man früh am Morgen, bevor der Verkehr erwacht, durch die Stadt bummeln. Da ist die Luft noch kühl und rein, es riecht nach Blumen anstatt nach Auspuffgasen, und überall hört man das melodische Plätschern von Brunnenwasser.
Rom Nummer drei - es datiert ab 1870, als Rom Italiens Hauptstadt wurde - bescherte der Stadt eigentlich nur architektonische Scheußlichkeiten. Und vom vierten Rom, dem allerneuesten, kann man nur sagen, dass es sich Mühe gibt, die antiken Stätten, so gut es geht, davor zu bewahren, von Abgasen zerfressen und von Touristen Steinchen für Steinchen demontiert zu werden.
Eine malerisch-mittelalterliche Stadt mit einem Dom aus dem 12. und einem Papstpalast aus dem 13. Jahrhundert. In Diesem Palast wurden im Mittelalter Päpste gewählt; hier pflegten manche auch zu residieren. Das Hübscheste an Viterbo aber ist das Viertel San Pellegrino: fast stilreines Mittelalter.
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