Reisen in Sri Lanka·Kandy II
Die kostbare Reliquie:
Ein Zahn Buddhas
Hier in Kandy glaubt man, in einem anderen Land
zu sein.

Tempel des Zahnes
Es ist eine große, bei aller Historie auch heute sehr muntere Stadt
mit quirligem Leben, vielen Geschäften und Hotels. Sie liegt, umgeben
von hohen Bergen, in einer großen Flussschleife. Das macht das Klima
sehr angenehm. Das goldene Dach des großen Tempels, die schönen
Tänze am Abend, das Licht, das über dem ganzen Komplex liegt
- das erzeugt eine fast unwirkliche Atmosphäre, der man sich nicht
entziehen kann.
Die feierliche Frömmigkeit der Pilger, die vielen barfüßigen
buntgekleideten Menschen auf dem Weg zu ihrem Heiligtum, die disziplinierten
Schulklassen in ihren weißen Uniformen, die sich gesittet aufstellen
und warten, bis sie eingelassen werden - sie bewirken, dass man sich wie
von selbst erwartungsvoll in die Menschenschlange einreiht, angezogen
vom dumpfen Klang der Trommeln und dem betörenden Duft der Blumen.
Außerdem steht die Stadt unter dem Schutz
der heiligen Reliquie, eines Zahnes von Buddha. Der wird im Tempel
Dalada Maligawa verwahrt, dessen weiße Fassade sich in einem stillen
See spiegelt. Sein turmartiger Vorbau mit dem achteckigen Dach ist das
Wahrzeichen der Stadt. Millionen gläubiger Buddhisten verehren diese
Zahnreliquie, die vor 1500 Jahren nach Sri Lanka gebracht wurde.
Jedes Jahr im Juli und August werden ihr zu Ehren eindrucksvolle religiöse
Umzüge veranstaltet. An die hundert reichgeschmückte Elefanten
nehmen daran teil sowie Trommler, Tänzer und Würdenträger
in traditionellen Kostümen. Diese Zeremonie stammt in ihrer heutigen
Fassung aus dem Jahr 1784. In vielen Nächten geht allabendlich dieser
Umzug durch die mit Fackeln erhellten Straßen, weithin donnern die
Trommeln, während die Tänzer in ihren exotischen Kostümen
im Tanztakt dahinschreiten, während Flöten blasen und Peitschen
knallen und während die stattlichen Elefanten, gemächlich ihre
Rüssel schwingend, der Reliquie folgen.
Der Palast des letzten Königs von Kandy
steht in der Nähe des Tempels und ist heute ein Museum. Vor dem Tempel
liegt ein künstlicher See.
Die königliche Stadt geriet in britische Hände, als der letzte
König von Kandy, Sri Vikrama Rajasinha, 1815 von den Briten gefangengenommen
wurde.

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