Reisen in Österreich ·
DIE GESCHICHTE I
Das Land, in dem die
Sonne nicht untergeht
Manche Leute aus dem Norden können
Österreicher und Bayern der Aussprache nach kaum unterscheiden Das
hat seinen guten Grund: Österreich ist eine bayerische Kolonie.
Schon ums Jahr 700 fand man Bajuwaren im Wienerwald. Dann, als Otto
der Grosse 955 nach der Schlacht auf dem Lechfeld die Ungarn aus dem Donaugebiet
hinausjagte, strömten weitere Bayern nach und festigten die "Ostmark".
Zu deutsch: Das Grenzbollwerk nach Osten. Später übertrug man
den Grafen von Babenberg (die aus Bamberg kamen) die Oberaufsicht über
das Gebiet. Sie gründeten Städte und Klöster, wurden wegen
Wohlverhaltens zu Herzögen befördert, liessen sich in Wien nieder
(das solchermassen zu Osterreichs Hauptstadt wurde) und starben 1246 aus.
Zu jener Zeit stand in Deutschland (oder
wie man dieses Gebiet nennen will, zu dem neben Österreich auch Böhmen,
Luxemburg und sonst noch einiges gehörte) wieder einmal eine Königswahl
an. Das Land war etwa so einig wie heute Afrika: zahllose Stämme,
zahllose Häuptlinge, ständig Krach wegen Kleinigkeiten. Es war
die kaiserlose, die schreckliche Zeit. Es gab eine Art Bundesrat - sieben
Kurfürsten -, der so etwas wie einen Bundespräsidenten zu wählen
hatte: den deutschen König.
Wozu man den brauchte, war unerfindlich,
denn zu sagen hatte er nichts. Und wenn er etwas sagte, war es zumeist
nicht der Rede wert. Mit Bedacht suchten die Kurfürsten keinen grossen
Mann aus, denn sie wollten niemand, der ihnen Scherereien machte.
Darin allerdings täuschten sie sich, als sie 1273 ausgerechnet
einen Schweizer wählten: Rudolf von Habsburg. Nur einem der Kurfürsten,
Herrn Ottokar von Böhmen, der seit 1251 über Österreich
regierte, war die Wahl nicht geheuer. Rudolf, kaum zum König gewählt,
gab ihm recht. Er nahm ihm ganz einfach Österreich weg und liess
sich selbst in Wien nieder.
So kamen die Habsburger nach Österreich.
Im vergangenen Jahrhundert sassen sie immer noch dort. Sie waren ein eroberungslustiges
Geschlecht. Doch machten sie ihre Eroberungen am liebsten im Brautbett.
"Tu felix Austria, nube!" hiess es - du, glückliches Österreich,
heirate!
Österreich erheiratete sich die halbe Welt. Mit Tirol und Böhmen
fing es an. Maximilian, den man den letzten Ritter nannte, bat sich Burgund
und die Niederlande als Mitgift aus. Seinen Sohn verheiratete er günstig
nach Spanien. Sein Enkel, Karl V., war schliesslich der Mann, in dessen
Reich, wie man sagte, "die Sonne nicht untergeht".
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Land, in dem die Sonne nicht untergeht
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Eugen, der edle Ritter
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