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Reisen in Grossbritannien·Reisegeschichte VII

Sir Walter Scott war ein Freund Goethes

von Annerose Lohberg-Goelz

Schottische Wolle ist weltberühmt, Lambswool-Pullover sind begehrte Mitbringsel und das Tuch Harris Tweed wird ausschließlich aus Wolle allererster Qualität gewoben - und hier ist es durchaus bezahlbar.

Der Süden Schottlands wird erst allmählich von ausländischen Besuchern entdeckt - die Borders, wie man diese Gegend nennt, bieten auch nur demjenigen etwas, der bereit ist, sich hinzugeben an die grüne Hügellandschaft mit ihren klaren Seen. Die Dörfer und Städte liegen weit auseinander gelegen, man begegnet oft stundenlang keiner Menschenseele. Ein Hauch von Melancholie mag manchen Reisenden hier überkommen, aber man wird aufgeschlossen für die Geheimnisse der Landschaft und ihrer in sich gekehrten Menschen.

Vielleicht ist diese Stimmung der Grund dafür, dass sich hier Dichter und Denker, Sänger und andere Künstler niedergelassen haben - auch früher schon.

Einer der berühmtesten Literaten Schottlands ist sicherlich Sir Walter Scott, ein Freund Goethes. 1717 in Edinburgh als eines von 16 Kindern geboren, sollte er eigentlich Jurist werden. Aber statt zu studieren sammelte er lieber die Legenden, Geschichten und Lieder der Border-Region, in der er aufwuchs. In seinem Leben reiste er viel, kehrte aber immer wieder in diese Gegend zurück und schrieb hier seine großen Romane, die meist auf historischen Ereignissen beruhen. Sein skurriles Haus - Abbotsford House - wurde ein beliebter Treffpunkt für die feine Gesellschaft. Es ist noch heute im Besitz der Familie Scott und man kann es besichtigen. Es wird erzählt, dass nach Scotts Tod im Jahre 1832 die Pferde, die seinen Sarg zur Abtei von Dryburgh bringen sollten, von selbst an Scotts Lieblingsplatz am Bemersyde Hügel stehenblieben, von dem man einen wunderschönen Blick auf die Wälder und Felder und den schäumenden Fluss Tweed hat. Der Aussichtspunkt heißt heute "Scotts View" zu Ehren des großen Sohnes aus der Border-Region.

Ein anderer großer Dichter aus Schottland ist Robert Burns, der Ende des 18. Jahrhunderts in Dumfries lebte und wirkte. Er schrieb unter anderem das auch bei uns bekannte Lied "Nehmt Abschied, Brüder" - natürlich auf englisch. Sein Wohnhaus in Dumfries in der Burnsstreet enthält handgeschriebene Manuskripte und den Sessel, in dem er sie verfaßte. Das Robert Burns Centre ist in einer Wassermühle aus dem 18. Jahrhundert in der Mill Road untergebracht. Hier erfährt man nicht nur alles über den Dichter, sondern kann auch erleben, wie es seinerzeit in dieser kleinen Stadt am Fluss Nith zugegangen ist.

Eine Poetin der heutigen Zeit residiert im Ettrick Tal bei Selkirk in einem alten eckigen Turm, dem Aikwood Tower. Es ist Lady Judy Steel, die diesen Wohnturm aus dem 16. Jahrhundert erwerben konnte und vor dem Verfall rettete. Abenteuerliche Legenden ranken sich um diesen Turm - ein Körnchen Wahrheit steckt in jeder. Man erzählt sich noch immer die Geschichte eines Viehdiebs, der erwischt wurde und zur Strafe entweder gehängt werden sollte oder aber die hässliche breitmäulige Tochter von Sir Gideon Murray heiraten mußte, die keinen Mann fand. Er entschied sich für die Ehe und wohnte viele Jahre glücklich mit "mucklemou`d`Meg" in diesem Turm.

Sie züchtet aussterbende Pflanzen

Lady Judy und ihr Mann, Sir David Steel, schottischer Abgeordneter und Politiker, fanden Aikwood Tower ideal zum Dichten, Denken und zum Wohnen. Lady Judy hält in den stilvollen Räumlichkeiten Lesungen. Wie im Mittelalter kommen Sänger, Maler und andere Künstler hierher, Ausstellungen werden organisiert. Der gepflegte Garten ist Lady Steels große Leidenschaft. Am liebsten züchtet sie aussterbende Pflanzen. Und weil hier alles so romantisch ist, kann man in Aikwood Tower neuerdings auch heiraten und das Hochzeitsmahl innerhalb der dicken Mauern einnehmen.

Melrose ist nur ein kleines Städtchen mit 3000 Einwohnern im Herzen der Borders. Aber durch seine berühmte Klosterruine zieht es jedes Jahr viele Besucher an und ist deshalb wohl der bekannteste Ort der Border-Region. Das 1136 von Zisterziensermönchen errichtete Kloster war Sitz des Ordens in Schottland; die Mönche wussten die reizvolle Lage zwischen den Eildon-Hügeln und dem Fluss Tweed wohl zu schätzen. Das Kloster war riesig - man kann das heute noch an den Ruinen des Querschiffes und der acht Seitenkapellen sehen. Eine einstündige Besichtigung mit dem Walkman lohnt sich, denn man erfährt dabei alles über das harte Leben der Mönche. Ohne Walkman ist die Abtei ein wunderschöner ruhiger Ort der Besinnung.

Die bei uns noch weithin unbekannte Border-Region südlich der schottischen Hauptstadt Edinburgh eignet sich besonders für Ruhesuchende, für Wanderer, Angler und Golfer; auch für Menschen, die sich für die Geschichte des Landes interessieren. Und für das, was heute noch in den Schlössern, Kirchen und Klosterruinen nacherlebt werden kann.

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