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Reisen in Dänemark·Reisegeschichte II

Auf Römö ist alles winzig

von Annerose Lohberg-Goelz

Vor dem "Sonderho Kro" liegt ein glänzendbrauner Jagdhund im grün-braun gestrichenen Türrahmen. Er wischt mit dem Schwanz die Schwelle sauber, als er sich erhebt, um uns eintreten zu lassen. Wir müssen uns bücken.

Am Strand von Römö - Bildquelle: VisitDenkark / Cees van Roeden
Am Strand von Römö - Bildquelle: VisitDenmark / Cees van Roeden

Dieser "Krug" ist einer der ältesten in Dänemark und ganz gewiß einer der gemütlichsten. Blitzendes Messing, hübsches Keramikgeschirr auf blankgescheuerten Tischplatten, bunte gestärkte Vorhängchen, ein Kachelofen, alte bauchige Gläser. Die Wirtin heißt Olga, ist jung und modern.

Hinterm Haus steht ein neuer Schlaftrakt mit sieben großen Zimmern. Man betritt ihn durch einen blau-lila gestrichenen Türrahmen; ein Luxushotel in Miniform. Dänisches Holz, viele bunte Kissen, Daunendecken unter schweren Balken, moderne Leuchten und weiße weiche Fellteppiche. Vom Kaminzimmer aus hat man einen weiten Blick übers Wattenmeer bis hinüber zum Dom von Riba auf dem Festland.

"Zu Dir komme ich mal für länger", sage ich zu dem Hund auf der Schwelle, "dann sausen wir zusammen am Strand, wenn Du magst."

Er wedelt freundlich.

Auf der Nachbarinsel Römö ist alles winzig. Der höchste Berg ist 19 Meter hoch. Das alte Schulhaus (inzwischen gibt's auch ein neues für die 84 Schüler) mißt fünf Meter im Quadrat und es hat drei Pappenfenster. Es ist kein Problem, vor dem Mittagessen um die ganze Insel herumzuwandern. (Doch ist Römö immer noch ein wenig größer als Fano: Siebzehn Kilometer lang und fünf breit, an manchen Stellen sieben.)

Römö war in früheren Zeiten die Insel der Walfänger. Die Männer waren den größten Teil des Jahres weit weg von ihrer Heimat. Am 21. Februar wurde das "garilo", das Petrifeuer angezündet und die Männer machten ihre Schiffe zum Auslaufen bereit. Erst im September kehrten sie zurück. Die Erfolgreichsten hatten 300 Fässer Tran an Bord, das sie aus Walspeck gewonnen hatten. Vom Verkauf der Ladung lebte die ganze Insel.

Ein Teil von Römö gehörte früher zum Herzogtum Schleswig. Deswegen herrschten auf dieser Insel andere Gesetze als auf Fano. Weil sie so günstig in der Nordsee lag, wollten Könige vieler Länder die Insel haben; es gab manche Kriege. Trotzdem ist Römö immer wohlhabend gewesen. Die Kunstwerke in den Kirchen und in den Museen beweisen es noch heute. Wie an einer Perlenschnur aufgereiht liegen die sauberen kleinen Dörfer an der Ostküste. An der Westseite wird gebadet - von Anfang Mai bis Mitte September. Sonderstrand ist den Nackten vorbehalten.

Ein Mädchen, dessen Namen Birte an einen Vogel erinnert, holt einen Schlüsselbund und schließt eines der reetgedeckten Ferienhäuschen auf. Auch hier ist alles winzig und blitzsauber, einfach und gemütlich. Zwei Schlafräume - die Betten mit karierten Decken -, ein großer Wohnraum in hellem Holz und ein offener Kamin mit einem Messingkessel an der Kette. In einer Nische ein Herd; auf den Kochplatten liegen bunte Häkeldeckchen. In Reih und Glied hängen große gelbe Henkeltassen unter dem Küchenschrank neben einer Suppenkelle und der Fleischgabel. Es fehlt nichts, was eine vierköpfige Familie für einen dreiwöchigen Urlaub braucht.

Steinguttöpfe mit Fischvorspeisen

Über tausend dieser Häuschen, die man das ganze Jahr über mieten kann, liegen in weiten Abständen sowohl auf Fano als auch auf Römö. Wer für den Sommer Quartier sucht, muss sich spätestens im Januar darum kümmern.

In Havneby gehen wir in den "Faergegaarden". Wir haben Hunger von der Luft, dem Wandern und Schauen.

"Wir essen zu Mittag nicht viel", sagt Birte, "die Hauptmahlzeit des Tages ist abends. Aber eine Kleinigkeit werden wir schon kriegen".

Bildquelle: VisitDenmark / Pia Britton
Bildquelle: VisitDenmark / Pia Britton

An der Theke kippen wir einen dieser mörderischen Schnäpse, die einen beinahe vom Stuhl werfen, aber nach dem dritten ganz angenehm wärmen. Inzwischen ist auf dem massigen Eichentisch am offenen Feuer die "Kleinigkeit" aufgebaut worden. Ich zähle vier Steinguttöpfe mit verschiedenen Fischvorspeisen in immer anderen Majonnaysesoßen, - süße, scharfe und eine mit Kräutern. Dazu vier dunkle Brotsorten, vier Knäckebrotsorten, ein Butterberg. Auf einer silbernen Schale liegen frische rosafarbene Krabben auf zerstoßenem Eis, auf runden Holztellern hauchdünne Scheiben von luftgetrocknetem zartem Schinken. Mädchen in bunten Röcken bringen warme, flache Fische in brauner Haut - eine Spezialität der Insel. Ich mag sie nicht besonders.

"Du mußt sie nicht essen", sagt Birte, "laß noch ein wenig Platz für die Kuchen!"

Am Hafen von Havneby ist die Fähre von Sylt eingelaufen. Junge Leute, die drüben billig Alkohol trinken wollen, gehen an Bord. Sie fangen gleich an zu singen. Solche Ausflüge machen sie oft und ausgiebig, denn auf Sylt ist ungleich mehr los als auf den kleinen dänischen Inseln.

Ich aber denke, während die Fähre ablegt und Birte am Kai schon ganz winzig wird, dass ich gerne eine ganze lange Weile da sein könnte, wo gar nichts los ist - auf diesen kleinen dänischen Inseln.

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