Die Schwäbische Alb·BRAUCHTUMSFESTE
Fasnet, Schäferfest
und Kirbe
Auch auf der Alb feiert man Fasching - genauer gesagt: Fasnet.
Die knüpft hier an altes germanisches Brauchtum an. Der Winter sollte
vertrieben werden, und das geschah oft auf drastische Art.
So werden bei Umzügen in vielen Orten sehr eindrucksvolle Masken
getragen - teils lustig, teils aber auch schrecklich anzusehen: Der Winter
sollte richtig Angst bekommen.
Die Narrenzünfte der Orte haben ganz bestimmte Maskentypen.
Berühmte Fasnetsumzüge, wie man sie heute vielerorts kennt,
sind schon seit dem 16. Jahrhundert in Rottweil üblich, im westlichen
Albvorland, wo beim traditionellen Narrensprung an die 2000 Masken durch
die Straßen ziehen. Bekannte Fasnetsumzüge gibt es auch in
Neresheim, Rottenburg, Tuttlingen, Aalen und Oberkochen.
In Sigmaringen, im Naturpark Obere Donau, hat sich ein lustiger Brauch
erhalten: das "Bräuteln". Jungvermählte Männer
werden auf Stangen gesetzt und um einen Brunnen getragen. Aus einem Korb
müssen sie allerlei Leckereien unters Volk werfen. Wehe, wenn sie
zu geizig sind!
Früher wurden die jungen Ehemänner in den Brunnen getaucht.
Darauf wird heute meist verzichtet.
Auch die Kirchweih oder "Kirbe", wie man hier sagt,
ist altbekannt. Einst feierte man damit den Jahrestag der Kirchenweihe;
später machte man einfach ein Volksfest daraus, das zweckmäßigerweise
in den Herbst verlegt wurde. Die Dörfer in den Nachbarschaften richteten
es so ein, daß an jedem Wochenende ein anderes dran war. So gab
es den ganzen Herbst hindurch immer irgendwo ein lustiges Dorffest.
Den Fürsten und Grundherren waren die vielen Dorffeste alsbald
ein Dorn im Auge. Württembergs Kurfürst Friedrich II. erließ
deshalb am 30. März 1804 eine Verordnung, nach der die Kirbe in ganz
Württemberg am gleichen Tag gefeiert werden mußte: am dritten
Oktobersonntag.
Inzwischen nimmt man das nicht mehr so genau. Und auf der
Alb feierte man ohnehin vom Frühjahr bis in den Herbst: Dorf- und
Kirchweihfeste, Kinderfeste und Messen mit Jahrmarkt - oft mit kleinen
Umzügen.
Seit 1811 gibt es in Bopfingen die Ipfmesse. Damals besuchte König
Friedrich I. von Württemberg die Stadt. Weil ihm die Bürger
so begeistert zujubelten, bedankte er sich, indem er Bopfingen das Recht
verlieh, alljährlich im Juli Markt und Volksfest abzuhalten.
Tradition haben auch die Schäferfeste in Urach und Heidenheim,
die sich abwechseln: In Urach wird in den ungeraden, in Heidenheim in
den geraden Jahren gefeiert - meist im Juni oder Juli.
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