Reisen in OBERSCHWABEN·BAD BUCHAU
Einst war das Städtchen
eine Insel
Heute mißt der Federsee, an dem Buchau
liegt, anderthalb Quadratkilometer. Früher war er viel grösser
(1789 fast dreimal) - so groß, daß das heutige Buchau eine
Insel darstellte.
Auf
dieser Insel gründete 770 die Dame Adelindis, Gemahlin eines fränkischen
Statthalters, ein Frauenstift. Eine Siedlung entwickelte sich, die 1320
zur Freien Reichsstadt wurde. Das Stift, einst ausschließlich adligen
Damen vorbehalten, stammt in seiner heutigen Form aus dem 18. Jahrhundert.
Die einstige Stiftskirche, die heutige Pfarrkirche
St. Cornelius und Cyprian, zeigt noch wenige Reste aus romanischer und
gotischer Zeit. Sie wurde zwischen 1774 und 1776 klassizistisch umgestaltet
und so einer dreischiffigen Hallenkirche mit Seitenemporen, Stuckornamenten,
schönen Deckengemälden und einem Chorgestühl mit biblischen
Szenen. Unter dem Chor, in der alten romanischen Krypta, ruht die Dame
Adelindis mitsamt ihren drei Söhnen.
Leuchtende Fresken zieren die flache Decke;
auch die Rundbilder an den Emporen unterstreichen den festlichen Eindruck.
Faszinierend sind die lebhaften Stuckreliefs über dem Chorgestühl.
Da sieht man, unter anderem, den Einzug nach Jerusalem vor der Kulisse
eines mittelalterlich-deutschen Stadtbildes.
Auf einem Hügel im Ortsteil Kappel steht die Kirche St. Peter und
Paul in einem befestigten Friedhof. Sie ist zwar größtenteils
modern ausgestattet, enthält aber zwei spätgotische Reliefplatten,
barockes Schnitzwerk und eine große kunsthistorische Besonderheit:
die linke Seitenkapelle. Die diente einst als Chor einer längst verschwundenen
romanischen Kirche. Ihre Innenwände zeigen noch Reste von Malereien
aus der Reichenauer Schule, die man auf die Zeit um 1100 datiert.
Seit einiger Zeit ist Bad Buchau ein Thermal- und Moorheilbad. Aus 800
Meter Tiefe sprudelt die Adelindis-Therme mit 47,5 Grad warmem schwefelhaltigem
Wasser. Das ist - zusammen mit dem am Federsee gewonnen Moor - gut gegen
rheumatische Erkrankungen und allerlei Beschwerden des Bewegungsapparats.
Nördlich von Bad Buchau liegt das 1410
Hektar große Naturschutzgebiet Federsee. Das meiste davon ist heute
Ried, schilfbewachsene Moorlandschaft. Auf dem Federsee-Rundwanderweg
können Sie um das Naturschutzgebiet herumspazieren. Das sind allerdings
16 Kilometer. Dabei gibt es - außer der naturbelassenen Moorlandschaft
mit ihrer artenreichen Fauna und Flora - einiges zu sehen: die alte Pfarrkirche
von Seekirch mit der bemerkenswerten Barockausstattung, die Blasius-Kapelle
von Alleshausen mit ihren feingotischen Bildwerken und schließlich
15 Steinskulpuren, die 1970 bei einem internationalen Symposium entstanden.
Zwischen Bad Buchau und dem See wurde ein interessantes Museum eingerichtet,
das Auskunft über die Entstehung und Entwicklung dieses Gebietes
sowie über die Pflanzen und die Vogelwelt gibt, aber auch viele historische
Funde zeigt - so die Urform eines Wagenrades.
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