Hier finden Sie Informationen zu Reisen im Allgäu |
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Reisen in Deutschland
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Reisen im Allgäu·AltusriedDas theaterverrückte Altusriedvon Annerose Goelz Nicht etwa, dass die Leute aus Altusried in Abendroben gen München in die Oper fahren. Nein, sie spielen selbst. Schon seit mehreren Generationen. Seit 120 Jahren wird hier Theater geschrieben, geprobt und aufgeführt. Es war damals eine arme Gegend und los war nicht viel, die Winter waren lang und hart, die Leute hatten nichts tun. So sass man eben bei Kerzenlicht zusammen und diskutierte. Vor allem über Politik, wie das heute an Stammtischen auch noch üblich ist. So weit ab von München hatte man seine eigene Meinung über das, was ihnen von dort aufoktroyiert wurde. Irgendwann fing einer an, den Unmut der Bauern aufzuschreiben. Und irgendwann entstand daraus dann auch ein Theaterstück, in dem es vor allem um das Thema "Freiheit" ging. Die Bauern fühlten sich immer unterdrückt; jetzt konnten sie ihren Zorn hinausschreien. Damit sie gehört wurden, schlüpften sie in ihre eigenen Rollen und deklamierten lauthals in Wirtshaussälen, was ihnen auf der Seele lag und was sie bewegte. Bald kamen Leute aus den umliegenden Dörfern und hörten ihnen zu, die Wirtshaussäle wurden zu klein und man verlegte die Schauspielerei ins Freie. Anno 1877 wurde auf der Josephshöhe das Freilichtspiel "Der bayerische Hiasl" aufgeführt. Es hatte offenbar grossen Erfolg. Die Altusrieder beschlossen, auch richtige grosse und bekannte Theaterstücke einzustudieren und aufzuführen. Die begeisterten Laiendarsteller spielten in den folgenden Jahren "Andreas Hofer", den "Wilhelm Tell" und den "Götz von Berlichingen" - 1991 sogar unter der Schirmherrschaft des damaligen Bundesfinanzministers Dr. Theo Waigel. Es sprach sich herum, dass hier richtig gutes Theater gemacht wird. Und die Altusrieder begannen, über ein eigenes Theater nachzudenken - mit Bühne und Dach und einer grossen Spielfläche. Das war 1996. Schon im Herbst 1997 machte der Bürgermeister den ersten Spatenstich auf einer grossen Wiese am Riedbach, außerhalb des Orts. Die Bauern, die in den Stücken mitspielen, schlugen dafür nun auch ihr eigenes Holz in eigenen Wäldern - man wollte so wenig wie möglich Zement und Stahl verwenden. Ökologie bestimmte die wellenförmige Holzkonstruktion von 2000 Tonnen Gewicht. Die ist in Deutschland einmalig. Alles fügt sich harmonisch in die Natur. Die Kulissen, die Versatzstücke, die Kostüme - alles wird liebevoll selbst gefertigt. Die Bühne ist riesig gross: 4500 Quadratmeter. Hinter dem Spielfeld steigt eine Naturkulisse an: Der Spielhang. 2500 Zuschauer haben auf der grossen Tribüne Platz. Die ist überdacht; die Schauspieler müssen notfalls im Platschregen agieren. Die Regie, die elektronische Akustik werden unsichtbar von weit oben dirigiert. Und in den Pausen - da werden die Gäste mit hausgemachter Wurst und selbstgebackenen Kuchen versorgt. 1999 wurde diese Freilichtbühne mit dem "Bauernkrieg im Allgäu" eingeweiht. Ministerpräsident Dr. Stoiber zeigt sich beeindruckt. Beeindruckt sind auch die Zuschauer, die seitdem die Allgäuer Freilichtbühne besucht haben. 170 000 waren es in den ersten Jahren, das Stück wurde 28mal gespielt. Im Winter, wenn die Freilichtbühne nicht bespielbar ist, gehen Theaterfreunde ins "Theaterkästle". Ab Oktober wird dort das Stück "Bus-Stopp" gegeben - und "Die Sache Robert Oppenheimer" für alle, die es noch anspruchsvoller haben wollen. Das "Theaterkästle", 1985 eingerichtet, wird von den örtlichen Vereinen mit Kultur versorgt. Ehrenamtlich, versteht sich.
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